ROW - Rudern für alle

(Donau TV 3/2017)


Generell

Rudern bedeutet, der Natur nah zu sein und körperlichen Ausgleich zu finden. Dazu gehören ausgedehnte Wanderausflüge und Tagesfahrten, aber auch Regatten und Fitnesstraining. Dabei ist es egal, ob man lieber allein, mit dem Partner oder in einer großen Gruppe ist, denn dank verschiedener Bootsklassen lässt sich jedes Rudererlebnis individuell gestalten.

Spaß und Freizeitvergnügen müssen aber nicht die einzigen Gründe sein in einem Ruderverein aktiv zu werden. Vielmehr bietet er die Möglichkeit zu ehrenamtlichen Tätigkeiten und damit die Chance, über das Berufsleben hinaus Verantwortung zu übernehmen und Bestätigung zu finden.

Rudern ist eine Lifetime Sportart. Sie kann mit großem persönlichen Gewinn von 8 - 80 Jahren (und weit darüber hinaus) betrieben werden. Eine weitere Besonderheit ist, dass eine Achtjährige mit ihrer 88-jährigen Urgroßmutter zusammen rudern kann und beide von der Ausfahrt profitieren, damit ist Rudern auch eine generationsübergreifende Sportart.

Rudern hat in Würzburg eine lange Tradition. Seit den 1870er Jahren wird der Wassersport hier betrieben. Mit einer der deutschlandweit höchsten Rudererdichten (ca. 1 Ruderer pro 90 Einwohner) ist die Stadt noch heute eine Ruderhochburg. Dies zeigt sich auch im Leistungssport. Die ersten Medaillen bei Olympischen Spielen, Teilnahmen an Para- Olympischen Spielen, zahlreiche Medaillen bei Welt- und Europameisterschaften, unzählige Titel bei Deutschen- und Bayerischen Meisterschaften wurden errudert. In der Summe der Erfolge ist der Rudersport bis heute die bedeutendste Sportdisziplin in Würzburg.

Der Mitgliederzuwachs der deutschen Rudervereine in den vergangenen zehn Jahren von 5,6% verdeutlicht die ungebrochen hohe Attraktivität des Rudersports. Zunehmend wird dieser, ob seiner herausragenden gesundheitssportlichen Eigenschaften, auch von Menschen mittleren Lebensalters entdeckt. Die Möglichkeit des unmittelbaren Erlebens der Natur auf dem Wasser, zu allen Jahreszeiten und unter verschiedenen Wetterbedingungen, übt eine hohe Faszination aus. In Würzburg zeigt sich die große Beliebtheit des Rudersports z.B. am konstant dynamischen Wachstum des Akademischen Ruderclubs Würzburg e.V. (ARCW), den umfassenden Schülerruderaktivitäten der Würzburger Gymnasien, den andauernd großen Nachfrageüberhängen bei den Angeboten des Hochschulruderns, dem großen Zuspruch zum Handicaprudern für Körperbehinderte, den Rekordteilnehmerzahlen an der Würzburger Bocksbeutelregatta des Regattavereins Würzburg e.V. (RVW) und nicht zuletzt am schnellen Wachstum der Würzburger Rudergemeinschaft Olympos e.V. (ROW).




Gesundheit und Rudern
Die allgemeinen gesundheitssportlichen Eigenschaften des Rudersports werden nur von wenigen Sportarten erreicht. Fachkundig betrieben wirkt Rudern stressabbauend, nutzt alle Muskelgruppen, beugt Rückenleiden vor, ist förderlich für Ausdauer und Durchblutung, ermöglicht individuelle Belastungsregulierung auch im Team, ist gelenkschonend, birgt nur geringe Verletzungsgefahr und bietet einen hohen Rehabilitationswert. So ist es für Menschen mit unterschiedlichsten Behinderungen bestens geeignet und bis ins hohe Alter ausübbar. Die wichtigsten Gründe für den Rudersport, gerade auch im Alter sind:

  • Minimierung von Risikofaktoren für Herz-KreislaufKrankheiten,
  • Sturzprävention und Verbesserung der Gleichgewichtsfähigkeit,
  • Knüpfung und Erhalt (neuer) sozialer Kontakte,
  • Hinauszögern der Entwicklung einer bereits bestehenden Krankheit,
  • Erhalt der physischen Leistungsfähigkeit/Mobilität und Selbstständigkeit im Alter 

Folgerichtig ist Gesundheitsrudern ein weiterer Schwerpunkt des Inklusionsruderns der ROW ist. Hierunter versteht man den gezielten Einsatz des Rudersports zur langfristigen Erhaltung der Gesundheit. Die ROW ist bestrebt, alle ihre rudersportlichen Angebote und Prozesse für das Gesundheitsrudern zu qualifizieren. So sind die Voraussetzungen zur Erlangung des DRV-Zertifikates "Gesundheitssport Rudern" gegeben.

Die wissenschaftlichen Voraussetzungen hat Professor Hollmann in seinem
Gutachten für den Deutschen Ruderverband beschrieben. Hier das Fazit.:
"Aus gesundheitlicher Sicht stellt daher Rudern eine empfehlenswerte Sportart dar. Die beiden wichtigsten motorischen Hauptbeanspruchungsformen, Ausdauer (organische Leistungsfähigkeit) und Kraft (Halte- und Bewegungsapparat), werden gleichermaßen gefördert. Rudern trainiert somit die inneren Organe, die Atmung, den Stoffwechsel, die Skelettmuskulatur sowie das Anpassungsvermögen und die Ökonomie der gesamten hormonellen und nervalen Steuerung des Körpers. Andererseits können bei ungünstigen Voraussetzungen (vorhandene Schäden, Krankheiten oder Anomalien) gesundheitliche Beeinträchtigungen drohen, besonders an der Wirbelsäule. Derartigen Gefahren muss durch regelmäßige sportärztliche Untersuchungen und die Beachtung einer richtigen Technik im Krafttraining Rechnung getragen werden"..

Gemeinschaft - Alle in einem Boot


Die Rudergemeinschaft Olympos Würzburg trägt "Gemeinschaft" nicht nur in ihrem Namen, sondern lebt sie auch. Schon der Gründungsgedanke war von dieser Idee beseelt. Das Ziel ist von vorneherein keine abgeschotteten Gruppen entstehen zu lassen. Rudern ist der demokratische Sport schlechthin: Im Boot sind alle gleich wichtig.

Konkret zeigt sich das am freundlichen "Hallo" am Bootsplatz und beispielsweise an dem Projekt "Rudern wie die Weltmeister" Dieses umfasst teambildende Ruderkurse für Mitarbeitergruppen regionaler Unternehmen unter Anleitung ehemaliger Weltklasseruderer (Teilnehmer an Olympischen Spielen, Weltmeisterschaften) der ROW.

Gemeinschaft ist aber keineswegs als Zwang zu verstehen, Wie in allen Ruderclubs gibt es  feste Trainingsgruppen unterschiedlicher Ausrichtung, wie die Freitags "Fussi" Truppe oder die Sonntags-Familienruderer. Tatsächlich stehen diese Rudergruppen allen Mitgliedern offen und zahlreiche Mitglieder sind Teil mehrerer Trainingsgruppen. Bei sich bietenden Gelegenheiten, wie dem An- oder Abrudern, gemeinsamen Wanderfahrten etc. steigen dann regelmäßig alle Mitglieder zusammen ins Boot.

Dass wir Ruderer auch bildlich gesprochen in einem Boot sitzen, sieht man an der Unterstützung durch ehemalige Spitzensportler aus ganz Deutschland und darüber hinaus. Sie alle eint das Bestreben, der Würzburger Jugend die gleichen Chancen zu eröffnen, die sie als Jugendliche hatten. Unter ihnen sind Ruderlegenden wie beispielsweise die Weltmeister im Achter von 1979, 1989 und 1995, Matthias Schumann (Bonn), Frank Dietrich (Dortmund) und Dieter Sator (Liechtenstein). die alle einmal im Bayern-Bootshaus beheimatet waren.
Olympiateilnehmer zum Anfassen sind vor Ort beispielsweise Hermann Greß (Los Angeles 1984), Tobias Müller (Atlanta 1996) oder Michael Gentsch (Montreal 1976)